Pilotenkurs III / MMVII

Woche 17

April 26th, 2008
IMG_0782-LR.jpg

Nachdem sich nun alle etwas an die Gegebenheiten des Fliegens in Florida gewöhnt haben, standen diese Woche die ersten Nachtflüge auf dem Lehrplan. Der Tagesablauf hat sich dadurch etwas verschoben, konkret bedeutet das, dass wir nun Vormittags frei hatten und uns erst um 14 Uhr zum Briefing im Swiss-Building einfinden mussten. Für die sportlichen unter uns war das die Gelegenheit sich an der kühlen Morgenluft etwas Gutes zu tun und sich mit Jogging fit zu halten – super Ausgleich zu den von uns bereits adaptierten Essgewohnheiten der Amerikaner. Hat doch der eine oder andere schon ein Pfündchen mehr auf den Rippen…
Nach Frühstück, Sport, Dusche, Mittagessen und Briefing waren dann die ersten zwei Jungflieger an der Reihe. Ziel musste immer ein Flughafen mit guten Restaurants in der Nähe sein, denn man möchte sich doch vor einem Nachtflug gut verpflegt wissen. Ausserdem sehr wichtig bei der Auswahl der Destination ist jeweils die richtige FBO zu finden. FBOs sind Firmen die mit dem Groundhandling, Catering und dem Betanken der Flugzeuge betraut werden. Zum finden der richtigen FBO hat sich die Internetseite www.fbo-hotties.com als wertvolle Planungshilfe herauskristalisiert. Sind doch nicht nur tiefe Avgaspreise wichtig, sondern auch die entsprechende Betreuung am Empfangsschalter :-) Bezüglich Flugrouten kann ich nur von meiner Klasse mit Pascal und Tristan schreiben. Mit Nachtessen, Stadtbesichtigung und auch FBOs hatten wir immer viel Glück. So konnten wir uns zum Beispiel am Mittwoch Abend in St Augustine in einem guten Restaurant, mitten in der Stadt, mit einem festlichen Fischgericht verwöhnen lassen. Es blieb sogar Zeit für eine kurze Stadtbesichtigung. Gerüchten zufolge, soll St Augustine die älteste Stadt der USA sein, das werden wir noch mit Geschichtsbüchern überprüfen. Als rein fliegerischer Höhepunkt hat sich der Nachtflug vom Donnerstag herauskristallisiert. Nach dem Start in Kendall-Tamiami entlang Miamis South Beach nordwärts der Küste nach Richtung Vero Beach war für Pascal und mich als Passagiere und wohl auch für unseren Piloten Tristan das absolute Wochenhighlight.

Nächste Woche beginnen wir mit IFR-fliegen. Das bedeutet, dass wir nun das Gelernte der FNPT Phase in Kloten endlich im richtigen Flug umsetzen dürfen. Dann hoffen wir mal auf möglichst viele Wolken…

- Silvan

Woche 16

April 20th, 2008
9.jpg

Nach der eher lockeren Angewöhnungswoche hier in Florida und ersten Eindrücken von der teils speziellen Ausgangskultur der Amerikaner, begegneten wir am Montag dem Fluglehrer-Team, welches uns in knapp neun Wochen auf dem Weg zur Berufspilotenlizenz begleiten wird. Während der erste Wochentag noch dem persönlichen und vor allem technischen Kennenlernen des Flugzeugs gewidmet war, folgte am Dienstag der lang ersehnte erste Flug. Bis zu fünf Monaten dauerte für gewisse Nachwuchspiloten das Warten auf dieses erneute loslösen von der Erde – die Vorfreude war dementsprechend gross. Neben der Freude kamen aber auch gewisse Unsicherheiten auf. So kannten die meisten den Piper Arrow nur von aussen und die Kommunikation zum Fluglehrer musste von nun an auf Englisch erfolgen. Des Weitern wusste keiner so richtig wie denn das flache Florida wohl aus der Vogelperspektive aussehen würde, hat man hier doch keine Seen oder Berge, welche man eindeutig identifizieren und zur Sichtflug-Navigation gebrauchen kann.

Die Unsicherheiten verflogen im wahrsten Sinne des Wortes aber relativ schnell wieder, wars doch einfach wieder einmal wunderbar sich in der dritten Dimension zu bewegen. Das Wetter stellte uns aber sogleich auch vor die grosse Herausforderung: Crosswind-Landing. Beklagten fast alle bei den ersten Landungen noch Mühe mit diesem Phänomen und dem entsprechend ungewohnten agieren mit den Steuerflächen, so festigte sich diese Landetechnik beispielsweise bei P. S. so schnell, dass er sogleich ein bisschen Mühe bekundete, als plötzlich der Seitenwind verschwunden war.

Auch ein anderer Pilot gewöhnte sich so schnell ans neue Flugzeug, dass er beim Landing-Check wie üblich „Gear down – three greens“ sagte. Wegen der Sonneneinstrahlung bemerkte er aber nicht sofort, dass es tatsächlich nur zwei grüne Anzeigen waren und das linke Hauptfahrwerk keine sichere Indikation zeigte. Als kritischer Nachwuchsflieger bemerkte er es dann aber doch noch (nach mehrmaligem Husten des Fluglehrers) und reagierte entsprechend souverän. So leitete er lehrbuchmässig einen Durchstart ein, flog über das Meer und löste das kleine Anzeigeproblem auch sogleich. Für die Crew und die Passagiere hat zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden…

Hier in den USA ist einfach Spitze, dass man nirgends Landegebühren bezahlen muss. So kann man einfach einen der kontrollierten (mit Tower) oder unkontrollierten Flugplätze (ohne Flugkontrollstelle, der Pilot tätigt sogenannte Blind-Calls mit seinen Absichten) anfliegen und z.B. Platzrunden fliegen. Ohne anzuhalten kann man dann gleich den nächsten Flugplatz ansteuern. Ein wirklich grosser, zeitbringender Vorteil im Verglich zur Schweiz, wo man nach jeder Landung die Landetaxen bezahlen muss.

- Markus

Woche 15

April 18th, 2008
IMG_0063-LR.jpg

Nach den „winterlichen“ Tagen in der Schweiz zog es uns an die Wärme – nach Florida. Aber nicht etwa Ferien stehen auf dem Programm, sondern 10 Wochen Flugtraining von VFR bis Multi-engine IFR.
Die ersten erreichten Vero Beach schon am Sonntag Abend und durften den Montag mit einkaufen und sonnenbaden verbringen. Am darauf folgenden Tag traf dann auch der zweite Teil unserer Klasse ein.
Vollzählig, aber nicht ganz ausgeschlafen, trafen wir uns schon am Montag zu unserem ersten Briefing. Dabei ging es hauptsächlich um Administrative Angelegenheiten, sowie den Flughafen und den Campus kennen zu lernen. Natürlich waren wir froh darüber, dass danach noch ein bisschen Zeit für den Strand und Beach Volley blieb.
Bis Freitag hielt sich unser Programm ziemlich in Grenzen und wir bekamen die Möglichkeit, uns langsam an die warmen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit zu gewöhnen. Dies wird wohl auch von Nöten sein, wenn wir ab nächster Woche in unser neues Schulungsflugzeug, die Piper Arrow III (ohne Klimaanlage!) steigen werden. Natürlich gab es dafür noch eine aufschlussreiche Schulung, was nun die Unterschiede zur Piper Archer sind. Hauptsächlich sind dies der Verstellpropeller und das Einziehfahrwerk. Also, ab sofort beim „landing check“ immer auf die „three greens“ achten!
Neben Checklisten auswendig lernen und SOP (Standard Operation Procedures) studieren stand am Wochenende natürlich auch Erholung auf dem Programm. Eine gute Gelegenheit dafür bot das Sun ´n Fun Fly-Inn/Flugshow, wobei unter anderem die Thunderbirds bestaunt werden konnten.
Der erste Eindruck von FlightSafety International (Flugschule) ist somit gemacht. Auch wenn man sich fragen mag, wie man rund 100 Schulungsflugzeuge brauchen kann, es wird schon irgendeinen Grund haben… Wir freuen uns zumindest auf die kommenden neun Wochen!

- Philipp

Woche 10 – 14

April 11th, 2008

Nach intensivem Approach-Training und zahlareichen (simulierten!) Triebwerksausfällen (s. vorletzter Bericht – “…in den Übungen verfahren”) haben wir die FNPT-Phase alle erfolgreich hinter uns gebracht. In unserem letzten Simulatorflug ging es vor allem darum, noch einmal alles zu zeigen, was die SOP so hergibt. Zudem durften wir vorab schon ein bisschen Florida-Luft schnuppern. Das Routing der letzten Simulatorübung  führte uns von Orlando über Melbourne (Florida!) auf unsere neue Homebase in Vero Beach.
Vor unserem Reiseantritt nach Florida standen dann aber doch noch ein paar Punkte auf der Agenda. Zunächst wurden unsere erlernten IFR Funkkenntnisse in einer sowohl theoretischen als auch praktischen BAZL Prüfung auf die Probe gestellt. Trotz des ein oder anderen kleinen Kunstfehlers verlief diese Prüfung für alle überaus erfolgreich. Jetzt liegt es an uns, das Erlernte auch im hart umkämpften Luftraum über Florida in die Praxis umzusetzen  („Roger. Say again…?!“).
Das Highlight dieser turbulenten Wochen folgte direkt einen Tag später – der Besuch auf der amerikanischen Botschaft in Bern (kurz: Guanbernamo). Vor einem Flugtraining in den USA hat die amerikanische Einwanderungsbehörde (übrigens neben den Anträgen für explizites Flugtraining auf verschiedenen Flugzeugtypen, Schulbestätigungen,  Finanzierungsnachweisen und Fingerabdrücken) das Visum gesetzt. Trotz Nieselregen und Wetterbedingungen nahe den Sichtminima machten wir 17 uns am Morgen des 27. März auf den Weg nach Bern. Bepackt mit knapp 400 (zum Teil doppelt ausgefüllten) Formularen und Kopien (Anmerkung: Man kann grundsätzlich alles leserlich kopieren, nur meistens nie die Sachen, auf die es wirklich ankommt – Reisepass, um nur ein Beispiel zu nennen) standen wir pünktlich um halb acht vor dem Gebäude der US Botschaft, die von außen wohl mehr einem Hochsicherheitsgefängnis in Mitten eines ruhigen Wohnviertels als einer repräsentativen Einrichtung eines Landes glich. Nachdem wir uns gemäß den Anweisungen des Sicherheitspersonals vor der Botschaft brav (und vor allem geordnet!) in einer Reihe aufgestellt hatten, sämtliche Unterlagen von uns eingesammelt wurden und wir einzeln die Sicherheitsschleuse passiert hatten, fanden wir uns wieder in einer Art Sixtinischer Kapelle amerikanischer Art. Also ein Warteraum – natürlich ausgestattet mit Fernseher und den neuesten amerikanischen Illustrierten (Immobilienmarktmagazine übrigens inklusive).
Sobald man Platz genommen hatte, ging eigentlich alles relativ reibungslos über die Bühne (gut… vielleicht bis auf die Tatsache, dass bei der Kontrolle einer unserer Taschen die Sprengstoffscanner angeschlagen haben – aus welchem Grund auch immer; der Amerikaner an sich kann bei so etwas schon ein Mal recht blass im Gesicht werden…) . Wir wurden jeweils dreimal einzeln aufgerufen und an einen Schalter gebeten, um unsere abgegebenen Dokumente noch einmal zu überprüfen, unsere Fingerabdrücke abnehmen zu lassen und um schlussendlich zu erfahren, dass uns unsere Pässe samt enthaltenem Visum in den nächsten Tagen zugeschickt werden (was dann auch plus minus der Fall war – kleine Verspätungen kann es ja immer mal geben).
Den letzten Punkt, den es vor dem Abflug nach Miami auf der Check-List noch abzuhaken galt (Anmerkung: Ich spreche hier ausschließlich von Hauptpunkten – die Expanded-Checklist würde an dieser Stelle einfach den Rahmen sprengen…) war „nur noch“ der Theorietest zum Abschluss der Theoriephase (ein kleiner After-Burner sozusagen…). Dabei wurde noch einmal unser kompletter, theoretischer Wissenstand bis dato auf Herz und Nieren geprüft. Trotz der relativ umfangenreichen und teilweise doch recht anspruchsvollen Thematik, konnten auch hier alle ein sehr gutes Resultat erzielen.

 Abschließend bleibt nur noch zu sagen: „Preflight check completed – ready for departure – Florida here we come!”

- Albrecht

Archives

Blogroll

Categories