Woche 16
Nach der eher lockeren Angewöhnungswoche hier in Florida und ersten Eindrücken von der teils speziellen Ausgangskultur der Amerikaner, begegneten wir am Montag dem Fluglehrer-Team, welches uns in knapp neun Wochen auf dem Weg zur Berufspilotenlizenz begleiten wird. Während der erste Wochentag noch dem persönlichen und vor allem technischen Kennenlernen des Flugzeugs gewidmet war, folgte am Dienstag der lang ersehnte erste Flug. Bis zu fünf Monaten dauerte für gewisse Nachwuchspiloten das Warten auf dieses erneute loslösen von der Erde – die Vorfreude war dementsprechend gross. Neben der Freude kamen aber auch gewisse Unsicherheiten auf. So kannten die meisten den Piper Arrow nur von aussen und die Kommunikation zum Fluglehrer musste von nun an auf Englisch erfolgen. Des Weitern wusste keiner so richtig wie denn das flache Florida wohl aus der Vogelperspektive aussehen würde, hat man hier doch keine Seen oder Berge, welche man eindeutig identifizieren und zur Sichtflug-Navigation gebrauchen kann.
Die Unsicherheiten verflogen im wahrsten Sinne des Wortes aber relativ schnell wieder, wars doch einfach wieder einmal wunderbar sich in der dritten Dimension zu bewegen. Das Wetter stellte uns aber sogleich auch vor die grosse Herausforderung: Crosswind-Landing. Beklagten fast alle bei den ersten Landungen noch Mühe mit diesem Phänomen und dem entsprechend ungewohnten agieren mit den Steuerflächen, so festigte sich diese Landetechnik beispielsweise bei P. S. so schnell, dass er sogleich ein bisschen Mühe bekundete, als plötzlich der Seitenwind verschwunden war.
Auch ein anderer Pilot gewöhnte sich so schnell ans neue Flugzeug, dass er beim Landing-Check wie üblich „Gear down – three greens“ sagte. Wegen der Sonneneinstrahlung bemerkte er aber nicht sofort, dass es tatsächlich nur zwei grüne Anzeigen waren und das linke Hauptfahrwerk keine sichere Indikation zeigte. Als kritischer Nachwuchsflieger bemerkte er es dann aber doch noch (nach mehrmaligem Husten des Fluglehrers) und reagierte entsprechend souverän. So leitete er lehrbuchmässig einen Durchstart ein, flog über das Meer und löste das kleine Anzeigeproblem auch sogleich. Für die Crew und die Passagiere hat zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden…
Hier in den USA ist einfach Spitze, dass man nirgends Landegebühren bezahlen muss. So kann man einfach einen der kontrollierten (mit Tower) oder unkontrollierten Flugplätze (ohne Flugkontrollstelle, der Pilot tätigt sogenannte Blind-Calls mit seinen Absichten) anfliegen und z.B. Platzrunden fliegen. Ohne anzuhalten kann man dann gleich den nächsten Flugplatz ansteuern. Ein wirklich grosser, zeitbringender Vorteil im Verglich zur Schweiz, wo man nach jeder Landung die Landetaxen bezahlen muss.
- Markus